Wadephul unter Sirenen in Kiew
Außenminister Johann Wadephul hat die Ukraine erneut besucht und dabei Luftalarm in Kiew und die Lage nahe der Front erlebt. Der Symbolbesuch sollte Solidarität zeigen, machte aber vor allem den dringenden Bedarf an neuen Patriot-Abwehrraketen deutlich.
Johann Wadephul ist zu seiner vierten Reise als Außenminister in die Ukraine aufgebrochen – gedacht als deutliches Signal der deutschen Unterstützung. Der Besuch sollte in erster Linie Verbundenheit zeigen und in Deutschland den Blick wieder stärker auf den russischen Angriffskrieg lenken. Für Wadephul ist die politische Linie klar: Deutschland steht an der Seite der Ukraine.
Doch schon bei der Anreise wurde deutlich, wie sehr die Lage von militärischer Bedrohung geprägt ist. In Kiew erlebte Wadephul direkt nach seiner Ankunft den ersten Luftalarm – während einer Rede vor Veteranen, bei der auch Präsident Wolodymyr Selenskyj anwesend war. Später erfuhr der Minister, dass bei dem Angriff zwei Menschen getötet wurden. In einem Wohnviertel der Hauptstadt sah er zudem, wie Bewohner sich bei Alarm an Unterführungen sammeln und auf Warn-Apps schauen, um im Ernstfall sofort Schutz zu suchen.
Symbolik trifft Kriegsrealität
Wadephul reiste ohne konkrete Zusage für das, was die Ukraine nach Darstellung Selenskyjs besonders dringend braucht: neue Patriot-Abwehrraketen. Mehr als auf laufende Gespräche mit Partnern konnte der Außenminister zunächst nicht verweisen. Die Eindrücke vor Ort sollen nun in weitere Bemühungen einfließen.
- vierte Ukraine-Reise als Außenminister
- Luftalarm kurz nach der Ankunft in Kiew
- keine neue Zusage zu Patriot-Raketen
Von Kiew ging es weiter über Poltawa nach Charkiw, dem eigentlichen Ziel der Reise. Die Stadt liegt nur rund 30 Kilometer von der Front entfernt. Auf dem Weg dorthin wurden die Kriegsfolgen immer sichtbarer: zerstörte Tankstellen, Checkpoints und Schutznetze gegen Drohnen. In der Nacht heulten die Sirenen immer wieder, fast stündlich wurde die Reisegruppe aus dem Schlaf gerissen.
Charkiw als Mahnung
Besonders beeindruckt zeigte sich Wadephul vom Durchhaltewillen der Menschen. Gerade Charkiw steht exemplarisch für den Alltag unter Dauerbedrohung. Laut Bericht war der Juli der tödlichste Monat für Zivilisten seit Kriegsbeginn vor mehr als vier Jahren, mit mehr als 470 Toten. Für den Außenminister wurde der Besuch damit zu mehr als einem politischen Termin: zu einer eindringlichen Erinnerung daran, was die Ukraine im Krieg jetzt am dringendsten braucht.
Quelle: Tagesschau