Himalaya-Flut fordert Hunderte Tote
Nach einer gewaltigen Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet sind in Nepal mehr als 620 Menschen ums Leben gekommen. Über 2000 Menschen gelten weiter als vermisst, darunter auch eine hohe einstellige Zahl Deutscher.
Die Lage nach der verheerenden Flutkatastrophe im Himalaya bleibt dramatisch: Im besonders schwer getroffenen Nepal wurden inzwischen mehr als 620 Tote gezählt. Auslöser war am Mittwoch ein Gletscherabbruch, nach dem eine gewaltige Mischung aus Wasser, Schlamm und Geröll durch das Grenzgebiet zwischen Nepal und der autonomen Region Tibet in China raste. Ganze Orte wurden zerstört, dazu zahlreiche Straßen, Brücken und Kraftwerke.
Besonders groß ist die Sorge um die Vermissten. Nach Angaben der Behörden werden noch immer mehr als 2000 Menschen gesucht. Darunter befinden sich laut Auswärtigem Amt in Berlin auch Deutsche: Die Rede ist von einer hohen einstelligen Zahl deutscher Staatsbürger, die aktuell vermisst werden.
Rettungseinsätze im Schlamm
Die Helfer kommen nur schwer voran. Enorme Schlammmassen und anhaltender Regen behindern die Arbeiten massiv. Nach Angaben der nepalesischen Armee ist es deshalb in mehreren betroffenen Gebieten kaum möglich, Hubschrauber sicher landen oder starten zu lassen. Trotzdem sind derzeit 14 Rettungshubschrauber im Einsatz. Bis Freitagabend konnten laut Katastrophenschutzbehörde mehr als 4400 Menschen in Sicherheit gebracht werden.
- Mehr als 620 Tote in Nepal
- Fünf Todesopfer in China
- Über 4400 Menschen gerettet
- Mehr als 2000 Vermisste
Nepal bittet um gezielte Hilfe
Außenminister Shisir Khanal machte deutlich, dass Nepal die üblichen Such- und Rettungseinsätze weitgehend selbst stemmen könne. Dringend gebraucht werde aber spezialisierte Unterstützung, etwa für in Tunneln eingeschlossene Menschen, bei der Wiederherstellung von Verkehrswegen sowie bei der Identifizierung und Aufbewahrung der Toten. Viele Opfer seien bis zu 100 Kilometer weit in die Ebene gespült worden, wo Krankenhäuser inzwischen an ihre Grenzen stoßen.
Auch der Wiederaufbau wird gewaltig. Finanzminister Swarnim Wagle schätzt die Kosten nach ersten Angaben auf vier bis fünf Milliarden Dollar. Nepal bat die Nachbarländer China und Indien bereits um Behelfsbrücken. Mehrere Staaten, darunter Indien, China, die USA und Großbritannien, hatten zudem Rettungsteams angeboten. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz sprach Nepal und China sein Mitgefühl aus.
Quelle: DW Deutsch