Vietnam-Jugend erzwingt Reaktion
In Vietnam wächst der Druck auf die Führung: Junge Menschen fordern Gerechtigkeit für eine 18-Jährige, die 2025 nach einem Unfall starb. Erst nach Millionen Posts bestätigte das Staatsfernsehen die Rolle eines Ex-Parlamentariers.
In Vietnam bringt ausgerechnet die Gen Z die politische Elite in Erklärungsnot. Seit Tagen machen junge Menschen online und rund um den sogenannten „Baum 55“ Druck, weil der Tod einer 18-Jährigen nach einem Verkehrsunfall über Monate ohne sichtbare Folgen für den Verursacher blieb. Jetzt musste sogar das staatlich kontrollierte Fernsehen reagieren.
15 Monate später kommt der Fall ins TV
Am Montagabend berichtete der Parteisender VTV ausführlich über den Crash vom Mai 2025 – mehr als 15 Monate nach dem Unfall. Demnach saß der frühere Parlamentsabgeordnete Nguyen Sy Cuong am Steuer des Wagens, der mit dem Moped der jungen Frau und ihres Vaters kollidierte. Cuong ist zudem der Ehemann der amtierenden Kultur- und Tourismusministerin Lam Thi Phuong Thanh.
Laut VTV war Cuong mit seinem BMW auf der falschen Fahrbahn unterwegs. Strafrechtliche Folgen habe es nicht gegeben, weil die Familie des Opfers entschädigt worden sei und auf eine Anzeige verzichtet habe. Gleichzeitig berichtete die „New York Times“, dass der Vater die Behörden öffentlich aufgefordert habe, den Fall doch zu bearbeiten. Für viele junge Vietnamesinnen und Vietnamesen ist genau das der Punkt: Sie wollen wissen, warum ein so schwerer Vorwurf so lange folgenlos blieb.
So wächst der Druck auf die Partei
Der Fall ist inzwischen weit mehr als nur ein einzelner Unfall. In den vietnamesischen sozialen Netzwerken sollen bereits Millionen Beiträge dazu erschienen sein. Das Staatsfernsehen warnte laut „New York Times“ vor „Opportunisten“, die den Vorfall im Netz ausnutzen würden. Dahinter steckt offenbar auch die Sorge der kommunistischen Führung vor einer selbstbewussteren Jugendbewegung.
- Unfall im Mai 2025
- TV-Bericht erst 15 Monate später
- Millionen Posts in sozialen Netzwerken
Vietnam steht damit nicht allein. In den vergangenen Monaten kam es auch in Nepal, Indonesien, auf den Philippinen und in Indien zu Jugendprotesten gegen Korruption, Vetternwirtschaft und politische Selbstbedienung. Das Besondere in Vietnam: Schon das öffentliche Eingeständnis im Staatsfernsehen gilt als kleiner Erfolg für die jungen Protestierenden – zufriedenstellen dürfte sie das aber noch nicht.
Quelle: ORF