Syrien setzt auf Neuanfang
In Syrien löst sich das kurdisch geführte Militärbündnis SDF auf und geht in der Armee auf. Nach der Streichung Syriens von der US-Terrorliste wächst die Hoffnung auf Wiederaufbau und neue Minderheitenrechte für Kurden.
In Syrien kommt Bewegung in die politische Neuordnung: Das kurdisch geführte Militärbündnis SDF hat seine Auflösung bekanntgegeben. Der Schritt folgt auf eine Einigung mit Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa und die geplante Eingliederung der bisherigen SDF-Kräfte in die syrische Armee. Für das Land ist das ein bedeutender Einschnitt nach Jahren des Kriegs und der Zersplitterung.
Vom Frontverlauf zur Neuordnung
Die SDF waren über Jahre ein zentraler Akteur im Kampf gegen die Terrormiliz IS und galten als enger Partner der USA. Zeitweise umfasste das Bündnis rund 100.000 Kämpfer, darunter Kurden und Araber. Im Nordosten Syriens kontrollierten die Kräfte lange ein großes Gebiet und bauten dort eine eigene Selbstverwaltung auf.
Doch nach dem Sturz von Assad verschärfte sich der Druck aus Damaskus. Al-Scharaa machte klar, dass er keine parallelen Streitkräfte und keine separatistischen Strukturen akzeptieren will. Anfang des Jahres kam es deshalb zu schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und den SDF. Am Ende stand ein Abkommen, das die kurdische Verwaltung in staatliche Strukturen überführen soll.
Kurden fordern nun Rechte statt Waffen
Mit der Auflösung der SDF endet für die Kurden zwar ihre Rolle als eigenständige Militärmacht, politisch wollen sie aber weiter für ihre Interessen kämpfen. Im Mittelpunkt stehen zugesicherte Minderheitenrechte. Gefordert werden vor allem:
- Unterricht in kurdischer Sprache an Schulen
- Verankerung von Minderheitenrechten in einer neuen Verfassung
Auch international wird der Schritt aufmerksam verfolgt. Die USA begrüßten die Entscheidung ausdrücklich. Kurz zuvor hatte Washington Syrien zudem von der Liste der Terrorunterstützer gestrichen. Das könnte dem Land wirtschaftlich helfen, weil Geschäfte für internationale Banken und Firmen dadurch leichter werden. In Damaskus wächst damit die Hoffnung, dass nach dem Ende eines langen Konfliktkapitels nun Wiederaufbau und politische Erneuerung in den Vordergrund rücken.
Quelle: Tagesschau