Iran-Krieg ohne Ausweg
Sechs Monate nach dem Angriff auf Iran ist kein Ende des Kriegs absehbar. Statt eines schnellen Erfolgs für die USA und Israel wirkt Teherans Führung gefestigt, während die Lage in der Region weiter eskaliert.
Sechs Monate nach Beginn der Angriffe auf Iran ist die Rechnung von US-Präsident Trump und Israels Premier Benjamin Netanjahu nicht aufgegangen. Als die Offensive am 28. Februar startete, stand ein schneller militärischer Erfolg im Raum. Doch statt eines Durchmarschs zeigt sich heute ein festgefahrener Krieg mit spürbaren Folgen für die gesamte Region.
Härtere Kräfte in Teheran
Schon kurz nach den ersten Attacken wurde darüber gestritten, welches Ziel Washington und Jerusalem tatsächlich verfolgten: das iranische Atomprogramm schwächen, militärische Fähigkeiten zerstören oder doch einen Machtwechsel erzwingen. Genau dieser Punkt fällt nun besonders ins Auge. Der an der Universität Oxford forschende Politologe Karabekir Akkoyunlu spricht zwar von einem Regimewechsel – allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Nach seiner Einschätzung sind in Teheran noch extremere Hardliner stärker geworden.
Auch aus dem iranischen Lager kommt die Botschaft, dass das Land trotz des massiven Drucks nicht gebrochen wurde. Der regimenahe Kolumnist Nadar Karimi wertet es als Signal an die Golfstaaten, dass Iran weder leicht ausgeschaltet noch zum Einsturz gebracht werden konnte – obwohl mit den USA und Israel zwei militärisch überlegene Gegner beteiligt sind.
Milizen bleiben Teil der Strategie
Nach außen setzt Teheran weiter auf seine eingeübte Überlebensstrategie gegen Sanktionen und Isolation. Dazu zählt auch die Unterstützung verbündeter Gruppen in der Region. Laut Karimi hat der Krieg diese Netzwerke nicht geschwächt. Genannt werden dabei:
- die Huthi im Jemen
- die Hisbollah im Libanon
- iran-nahe Milizen im Irak
Karimi sagt zwar, man habe den Libanon „verloren“, zugleich sei die Unterstützung der Gruppen für Iran nicht verschwunden, sondern eher gewachsen. Parallel dazu weitete Teheran seine Vergeltungsangriffe aus: Ziele waren US-Stützpunkte in der Golfregion, Israel und auch Golfstaaten. Damit bleibt auch die Straße von Hormus als mögliches Druckmittel im Blick.
Für die Menschen in Iran bedeutet das vor allem eins: Der Krieg ist nicht vorbei, der Alltag aber längst noch härter geworden. Während die Führung in Teheran Widerstand demonstriert, verschärfen sich für die Bevölkerung die wirtschaftlichen und politischen Belastungen weiter. Ein Ende ist derzeit nicht zu erkennen.
Quelle: Tagesschau