Slobodan Snajder überraschend tot
Der kroatische Autor Slobodan Snajder ist im Alter von 78 Jahren überraschend in Zagreb gestorben. Erst im Frühjahr war er in Wien, wo er an einem neuen Roman arbeitete und die deutsche Ausgabe von „Engel des Verschwindens“ vorstellte.
Foto: Griotta / Wikimedia Commons, Public domain
Die Literaturszene trauert um Slobodan Snajder: Der kroatische Autor ist am Donnerstagabend im Alter von 78 Jahren überraschend in seiner Heimatstadt Zagreb gestorben. Das teilte der Zsolnay Verlag mit. Noch vor wenigen Monaten war Snajder in Wien zu Gast und arbeitete dort an einem neuen Buchprojekt.
Erst im Frühjahr verbrachte der Schriftsteller zwei Monate in einer Gastwohnung des MuseumsQuartiers. Dort schrieb er an einem großen Roman, der den Abschluss einer Trilogie bilden sollte. In dieser Zeit stellte er auch die deutsche Übersetzung des mittleren Teils vor: den Roman „Engel des Verschwindens“.
International mit Theaterstück bekannt geworden
Snajder wurde vor allem mit dem Stück „Der kroatische Faust“ über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Das Werk wurde 1982 in Split uraufgeführt und war 1994 in einer Inszenierung von Hans Hollmann auch am Burgtheater zu sehen. Neben seinen Theatertexten schrieb er zahlreiche weitere Stücke, leitete über Jahre das Theater der Jugend in Zagreb und arbeitete als politischer Kolumnist für die Tageszeitung „Novi list“.
- Geboren und gestorben in Zagreb
- Zuletzt Arbeit am Roman „Maria Leib“
- Im Frühjahr Aufenthalt im Wiener MuseumsQuartier
Neuer Roman war bereits abgegeben
Zsolnay-Verlagsleiter Herbert Ohrlinger berichtete, Snajder habe ihn vor drei Wochen noch angerufen. Nach einem Verkehrsunfall habe er im Spital gelegen, zugleich aber erzählt, dass er den neuen Roman bereits bei seinem kroatischen Verlag abgeliefert habe. Das Buch trägt den Titel „Maria Leib“ und sollte im November beim Literaturfestival in Pula vorgestellt werden.
Ohrlinger zeigte sich vom Tod des Autors tief getroffen. Mit Snajder verliere Europa eine weit über sein Heimatland hinaus hörbare Stimme. Seine Haltung und sein Werk, so der Tenor, werden bleiben.
Quelle: ORF






