Influencer bremsen den Foto-Hype
Schöne Naturspots wie Oeschinensee oder Aescher werden durch Social Media schnell zu Touristenmagneten. Mit dem Hashtag #nogeotag versuchen Influencer und Naturschützer in der Schweiz, empfindliche Orte besser zu schützen.
Foto: Wikimedia Commons / Superbass, CC BY-SA 4.0
Traumkulissen wie der Oeschinensee oder das Berggasthaus Aescher sind in sozialen Netzwerken längst millionenfach geteilt worden. Das Problem: Was online als perfektes Ausflugsfoto funktioniert, wird offline schnell zum überlaufenen Hotspot. Genau dagegen richtet sich ein neuer Trend unter Influencerinnen und Influencern: #nogeotag. Die Idee dahinter: den exakten Standort eines Naturorts bewusst nicht preisgeben, um empfindliche Plätze vor zu viel Andrang zu schützen.
Zwischen Werbung und Warnsignal
Für Stefan Forster von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ist Social Media für Reiseziele Fluch und Nutzen zugleich. Dass aus idyllischen Orten Besuchermagnete werden, sei allerdings kein neues Phänomen. Früher hätten Postkarten oder Reiseführer solche Entwicklungen ausgelöst, heute übernehmen das Influencer mit spektakulären Bildern aus den Bergen oder von Seen.
Bei Schweiz Tourismus sieht man den Verzicht auf Ortsangaben jedoch kritisch. Die Organisation betont, dass gerade in Zeiten von KI-generierten und oft austauschbaren Inhalten Transparenz, Einordnung und nachvollziehbare Ortsangaben wichtig seien. Ganz anders klingt es beim Schweizer Alpenclub SAC: Dort hat man mit einer Kampagne zu #nogeotag bereits Erfahrungen gesammelt.
Wann Taggen heikel wird
Der SAC hatte 2021 während der Coronazeit mit einer Aktion gegen Wildcampen sensibilisiert. Laut Ressortleiter Philippe Wäger sei es bei ohnehin weltbekannten Orten wie dem Matterhorn weniger problematisch, einen Standort zu nennen. Bei weniger bekannten Plätzen gelte aber eher Zurückhaltung. Entscheidend sei, bewusst abzuwägen, ob man einen exakten Spot markiert oder nur eine Region nennt.
- Bekannte Orte: Standortangabe meist unkritischer
- Versteckte Naturspots: besser nicht exakt markieren
- Ziel: Besucherströme früh erkennen und lenken
Dass das Thema nicht nur die Schweiz betrifft, zeigt ein Fall aus Bayern: Nach einem Instagram-Post der Influencerin Yvonne Pferrer zu einem Naturpool im Berchtesgadener Land suchte die Parkverwaltung das Gespräch mit ihr. Der Beitrag wurde daraufhin angepasst. Forster hält dennoch fest, dass Social Media auch Teil der Lösung sein kann. Statt Orte nur geheimnisvoll zu machen, könne man Trends früh beobachten und Menschenmengen gezielt steuern – etwa mit digitalen Ranger-Teams, wie sie an manchen Schutzgebieten bereits eingesetzt werden.
Quelle: SRF