Ye-Hype spaltet Russland
Kanye West will im Oktober für zwei Stadionshows nach Sankt Petersburg kommen. Während Fans zehntausende Tickets kauften, schlug die Stimmung in kremlnahen Medien schnell um.
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Kanye West, der heute als Ye auftritt, sorgt in Russland für einen ungewöhnlichen Kulturstreit. Nachdem zwei Stadionkonzerte im Oktober in Sankt Petersburg angekündigt worden waren, war die Begeisterung zunächst riesig: Russische Medien griffen die Nachricht breit auf, auf Telegram feierten viele Fans das mögliche Comeback eines westlichen Superstars.
Wie groß das Interesse ist, zeigte sich laut Bericht schon kurz nach dem Vorverkaufsstart: zehntausende Tickets sollen innerhalb weniger Stunden verkauft worden sein. Ein Moskauer Fan sagte, Ye sei der eine Musiker, über den wirklich alle sprechen würden. Trotz der bekannten antisemitischen Ausfälle des Rappers blenden das manche Anhänger offenbar aus – auch, weil westliche Top-Acts seit dem russischen Angriff auf die Ukraine kaum noch im Land auftreten.
Seltene West-Stars, große Sehnsucht
Gerade deshalb trifft die Ankündigung einen Nerv. In den vergangenen Jahren kehrten nur wenige Musiker aus dem Westen für Shows nach Russland zurück. Genannt werden im Bericht vor allem Hip-Hop-Namen und Acts, deren große Karrierehöhepunkte eher zurückliegen. Beobachter vermuten dahinter auch finanzielle Gründe: Weil solche Konzerte selten geworden sind, könnten in Russland besonders hohe Gagen winken.
- Kaum westliche Live-Acts seit Beginn des Ukraine-Kriegs
- Vor allem US-Rapper traten noch vereinzelt auf
- Ye wäre der mit Abstand größte Name unter ihnen
Patriotische Kritik statt Jubel
Doch die Euphorie hielt nicht lange. In kremltreuen Kreisen kippte die Stimmung, nachdem "patriotische" Blogger den Hype als Anbiederung an den Westen attackierten. Später legten auch Stimmen aus dem Propagandafernsehen nach und äußerten sich offen abfällig über schwarze Rapper. Aus dem anfänglichen Prestige-Projekt wurde damit plötzlich ein Politikum.
Genau das macht die geplanten Konzerte so brisant: Ye ist in vielen westlichen Ländern wegen seiner antisemitischen Äußerungen isoliert, in Russland aber zugleich Projektionsfläche für Sehnsucht, Provokation und Kulturkampf. Zwischen Fan-Ekstase und Kreml-Linie zeigt sich einmal mehr, wie aufgeladen selbst ein Popkonzert inzwischen sein kann.
Quelle: SRF