Venedig kippt Jury-Termin
Bei den Filmfestspielen in Venedig fällt 2026 erstmals die traditionelle Jury-Pressekonferenz zum Start aus. Die Festivalleitung spricht von einem Terminkonflikt, doch in der Branche gibt es Zweifel an dieser Begründung.
Foto: Wikimedia Commons / Montclair Film, CC BY 2.0
Bei den Filmfestspielen in Venedig kommt es 2026 zu einem ungewöhnlichen Schritt: Zum ersten Mal soll die traditionelle Pressekonferenz mit der Festivaljury zum Auftakt ausfallen. Für ein A-Festival dieser Größenordnung ist das bemerkenswert, denn gerade in Venedig, Cannes oder Berlin gehört dieser Termin normalerweise fest zum Startprogramm.
Die Leitung des Festivals begründete den Verzicht laut dem US-Magazin Deadline mit einem „Terminkonflikt“. In der Branche wird diese Erklärung allerdings nicht überall widerspruchslos hingenommen. Beobachter verweisen darauf, dass Jurymitglieder bei mehreren großen Festivals zuletzt immer wieder mit Fragen zum Gaza-Krieg konfrontiert wurden.
Heikles Thema auf dem roten Teppich
Wie sensibel das Thema ist, zeigte sich zuletzt bei der Berlinale 2025. Dort hatte Jury-Präsident Wim Wenders mit seiner Aussage, Filmschaffende sollten sich aus der Politik heraushalten, Proteste ausgelöst. Auch in Venedig selbst spielte der Konflikt bereits 2025 eine Rolle: Jury-Präsident Alexander Payne wurde damals direkt dazu befragt.
Brisant ist die Lage auch mit Blick auf die diesjährige Besetzung und das Wettbewerbsprogramm. In der Jury sitzt mit Kaouther Ben Hania eine Regisseurin, die 2024 mit einem Film über ein getötetes palästinensisches Mädchen den zweitwichtigsten Preis des Festivals erhielt. Den Jury-Vorsitz übernimmt US-Schauspielerin Maggie Gyllenhaal.
Auch ein Gaza-Film läuft im Wettbewerb
Zusätzliche Aufmerksamkeit dürfte ein Wettbewerbsbeitrag auf sich ziehen: Mit „Naza“ ist ein Film über den Gaza-Krieg eingeladen, hinter dem die Macher des Oscar-prämierten Dokumentarfilms „No Other Land“ stehen.
- 83. Ausgabe der Filmfestspiele in Venedig
- Termin: 2. bis 12. September 2026
- Jury-Präsidentin: Maggie Gyllenhaal
Ob der gestrichene Pressetermin tatsächlich nur organisatorische Gründe hat oder doch als Vorsichtsmaßnahme verstanden werden muss, dürfte das Festival weiter begleiten.
Quelle: SRF





