Honnolds Matterhorn-Ritt im Nebel
US-Kletterstar Alex Honnold hat das Matterhorn bei Regen, Wind und dichtem Nebel bestiegen – ohne Handschuhe und in Wanderschuhen. Der Zermatter Rettungschef Anjan Truffer warnt vor der Signalwirkung solcher Bilder.
Foto: Wikimedia Commons / Christopher Michel, CC BY-SA 4.0
Alex Honnold hat einmal mehr für Schlagzeilen gesorgt: Der US-Profikletterer bestieg das Matterhorn bei schwierigen Bedingungen – mit Regen, Wind und dichtem Nebel. Besonders auffällig: Honnold war dabei ohne Handschuhe unterwegs und trug Wanderschuhe. Online schrieb er selbst, dass die Seile stellenweise vereist gewesen seien und Handschuhe in diesem Moment durchaus hilfreich gewesen wären.
Kritik aus Zermatt
Für Diskussionen sorgt vor allem die Wirkung der Aktion. Anjan Truffer, Bergführer sowie Rettungschef von Air Zermatt, stellte zwar klar, dass Honnold über aussergewöhnliche Fähigkeiten verfüge. Gleichzeitig betonte er aber, dass auch ein Spitzenkletterer nicht gegen die Kräfte der Natur gefeit sei. Gerade bei schlechtem Wetter werde fehlende Ausrüstung schnell zum Risiko.
Truffer sieht deshalb auch die öffentliche Rolle des bekannten Alpinisten kritisch. Wer solche Bilder verbreite, müsse sich bewusst sein, was damit bei anderen ankomme. Seine Sorge: Vor allem junge Menschen könnten den Eindruck bekommen, die Tour sei einfacher, als sie tatsächlich ist.
Selbstkritik vom Kletterstar
Honnold zählt seit Jahren zu den berühmtesten Namen der Kletterszene. Weltweit bekannt wurde der 41-Jährige unter anderem durch seine Free-Solo-Begehung des rund 900 Meter hohen El Capitan im Yosemite-Nationalpark. Diese Tour wurde im Oscar-prämierten Film „Free Solo“ dokumentiert. Erst im Januar kletterte er zudem den 508 Meter hohen Wolkenkratzer Taipei 101 in Taiwan hinauf – live übertragen von Netflix.
- Bestieg das Matterhorn bei Regen, Wind und Nebel
- Unterwegs ohne Handschuhe und in Wanderschuhen
- Rettungschef kritisiert die Vorbildfunktion
- Honnold räumt selbst ein, den Berg nicht ernst genug genommen zu haben
Immerhin zeigt sich Honnold im Nachhinein selbstkritisch: Er habe das Matterhorn nicht ernst genug genommen. Genau das macht die Aktion nun zum Gesprächsthema – nicht wegen des Gipfels allein, sondern wegen der Frage, wo zwischen sportlicher Ausnahmeleistung und riskanter Inszenierung die Grenze verläuft.
Quelle: SRF