Derby-Chaos heizt Debatte an
Nach den Ausschreitungen beim Pokalspiel zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern wird über Polizeikosten und Pyrotechnik gestritten. 1.400 Einsatzkräfte waren vor Ort, 35 Polizisten und 85 Zuschauer wurden verletzt.
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Die Ausschreitungen beim Pokalspiel zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern haben eine alte Debatte mit voller Wucht zurück auf den Tisch gebracht: Wer soll bei Hochrisikospielen die massiven Polizeikosten tragen? Beim Derby stürmten Fans den Platz und schossen Leuchtraketen auf das Spielfeld und andere Tribünen. Die Bilanz ist heftig: 35 Polizeikräfte und 85 Zuschauer wurden verletzt.
Für das brisante Duell waren rund 1.400 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Bundesweit entstehen durch solche Spiele laut Schätzungen jedes Jahr zusätzliche Polizeikosten von etwa 30 Millionen Euro. Bislang zahlt in der Regel die Allgemeinheit. Dass Vereine grundsätzlich stärker beteiligt werden können, ist juristisch nicht mehr ausgeschlossen: Das Bundesverfassungsgericht hat das Bremer Modell, das seit 2015 Gebühren für zusätzliche Einsätze bei bestimmten Spielen vorsieht, im vergangenen Jahr im Kern bestätigt.
Politik uneins über Kostenfrage
In Rheinland-Pfalz gehen die Meinungen trotzdem auseinander. Carl-Bernhard von Heusinger, innenpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, fordert eine stärkere finanzielle Beteiligung der Profiklubs. Innenminister Achim Schwickert von der CDU lehnt es aktuell ab, Vereinen die Einsätze in Rechnung zu stellen. Sollte sich daran etwas ändern, will er nach eigenen Angaben eine bundesweite Lösung. Geplant sind zunächst Gespräche mit Vereinen, der Deutschen Fußball Liga und der Polizei.
- Rund 1.400 Polizeikräfte beim Derby im Einsatz
- 35 verletzte Polizeikräfte
- 85 verletzte Zuschauer
- Etwa 30 Millionen Euro Zusatzkosten pro Jahr bundesweit
Auch Pyrotechnik wieder im Fokus
Neben der Kostenfrage geht es erneut um verbotene Pyrotechnik und die Sicherheitskontrollen in den Stadien. Alfred Wünstel, früher Sprecher der Fanclubs in der Region Südwest, beschreibt die Rivalität der beiden Lager als jahrzehntealt. Zugleich hält er die Kontrollen an den Eingängen und vor den Blöcken nur begrenzt für wirksam. Unterstützung bekommt der Innenminister von der Tübinger Kriminologin Dr. Thaya Vester: Aus ihrer Sicht bringen Kommunikation und Dialog die größten Effekte, während Sanktionen gezielt einzelne Täter treffen sollten.
Auch die Stimmung in Teilen der Öffentlichkeit ist klar: In einer nicht repräsentativen SWR-Onlineumfrage sprachen sich 97 Prozent der Teilnehmenden dafür aus, dass Fußballvereine die Kosten zusätzlicher Polizeieinsätze übernehmen sollen. Nach dem Derby dürfte die Diskussion darüber jedenfalls so schnell nicht wieder verschwinden.
Quelle: swr